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Anton oder die Zeit des unwerten Lebens
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Anton oder die Zeit des unwerten Lebens

von Elisabeth Zöller

 

 

„Lehrer Heimann hat Anton immer mehr auf dem Kieker.

 

Er gibt Strafarbeiten, wenn Anton zuckt.

Er schlägt, wenn Anton schweigt.

Er lacht ihn aus, wenn Anton stottert.

Er spottet, wenn Anton rechnet.

 

Einer wie Anton hat in der Schule nichts zu suchen.

Einer wie Anton hat eigentlich gar kein Recht zu leben

 

Denn Anton ist behindert und es ist das Jahr 1941.“

 

 

 

Anton wurde im Jahr 1932 geboren. Zu dieser Zeit fand Hitler immer mehr Anhänger. Anton entwickelte sich normal, und als er zu sprechen begann bellte die Stimme des Führers aus dem Radio durch das Zimmer. Als Anton anfing zu malen wurden die Menschen in Konzentrationslager gesperrt, die Juden aus ihren Berufen entfernt und Flugzeuge gebaut. Die Welt für Anton war heil und er war ein glückliches Kind. Bis zu dem einen Nachmittag. Anton lief vor eine Straßenbahn, mit einer Gehirnerschütterung kam er ins Krankenhaus. Er hörte auf zu sprechen, als er schwerfällig wieder damit begann stotterte er und hatte eine Lähmung im rechten Arm, er war seit dem Unfall geistig behindert und kein Facharzt konnte ihm helfen.

 

Es ist das Jahr 1938, Antons Vater und Onkel, die beide Lehrer sind, sorgen dafür, dass er in die Schule gehen darf, da er ein erstaunliches Rechentalent besitzt. Aber Anton erfährt dort nur Abneigung, er wird von den anderen Schüler beschimpft und geschlagen, den Kindern wird verboten mit  ihm zu spielen, nur David, ein Jude, spielt noch mit ihm, bis er, wie die Besitzer des Ladens gegenüber des Hauses von Antons Familie, abgeschoben wird. Anton schafft es kaum zu schreiben, mit seinem linken Arm könnte er schreiben, aber deutsche Jungen schreiben mit rechts.

Anton beginnt, während er immer älter wird und doch unerfahren bleibt, zu verstehen, dass das, was seine Familie unter sich Zuhause sagt, geheim bleiben muss da alle sonst in großer Gefahr sind, er wird verschwiegen.

Die Kriege gegen Deutschlands Feinde fordern immer mehr Männer, die Väter von Antons Freunden fallen, sein eigener Vater hat eine Verletzung, er kann nicht in den Krieg, Anton ist glücklich darüber. Die Stadt wird bombardiert, der Bischof in Münster hält eine Rede gegen die sogenannte Euthanasie, die Sterbehilfe von Behinderten, die Rede wird publik gemacht. Die Schüler und Lehrer an Antons Schule drangsalieren ihn immer mehr und die Angst um Anton wird immer schlimmer, da die Macht Hitlers über die Hilflosen immer größer wird. Dennoch beginnt Hitler zu verlieren, immer mehrere Männer fallen, in der Schule lehnt sich Anton gegen Herr Heimann, der ihn immer mehr beleidigt, auf, die Familie Antons bekommt Hilfe von anderen, wie zum Beispiel von der Mutter eines getöteten behinderten Kindes, die Anton beim Schrieben hilft.

Doch dann wird die Gefahr im Jahre 1943 zu groß wird, Anton wir zur Geheimsache, Geheimsache Anton...

 

 

Das Buch „Anton oder die Zeit des unwerten Lebens“ beruht auf einer wahren Begebenheit, es ist die Geschichte des Onkels der Autorin, die in ihrem Nachwort erzählt wie sie an den Stoff der Geschichte kam, die Namen im Buch aber sind verändert.

 

Das Buch ist in 3 Teile zerlegt: I Anton wächst heran, II Anton geht zur Schule und

III Geheimsache Anton. Der erste Teil ist in der Vergangenheit erzählt doch ab dem zweiten Teil hat man durch die Verwendung der Gegenwart das Gefühl man sei direkt am Geschehen.

 

 Die Geschichte ist in einer sehr einfachen Sprache erzählt, was den Anschein gibt, dass Anton seine Geschichte selbst mit seiner einfachen Denkweise wiedergibt. Die Erlebnisse Antons werden spannend erzählt und man kann kaum mehr aufhören das Buch zu lesen, da man unbedingt erfahren will, was mit Anton geschieht und ob er überlebt.

 Ein weiterer guter Schachzug der Autorin ist der Blickwinkel, da die Geschichte fast nur aus Antons Sicht erklärt wird, erkennt man wie er seiner Erlebnisse sieht und aufnimmt, sein Verhalten und seine oft beschriebenen Gedanken lassen in dem ganzen Buch den Eindruck nicht fallen, das Anton ein einfach denkendes Kind ist.

Sehr gut finde ich, dass die Geschichte sehr mit dem historischen Umfeld verbunden ist, beispielsweise fand ich die Geschichte des Bischofs Clemens August Graf von Galen, der wie ich herausgefunden habe wirklich gelebt und sich gegen das Verhalten der Nationalsozialisten und auch gegen die Euthanasie aufgelehnt hat, sehr informativ.

Ich persönlich fand auch das Nachwort von Ernst Klee, einem der führenden Wissenschaftlern, die sich mit der Euthanasie beschäftigen, sehr gut. Darin wird vieles zu der Abschiebung und Tötung von Behinderten in der NS-Zeit erklärt. Sehr beeindruckt hat mich die Geschichte eines Mannes der selber viele Kinder tötete und plötzlich damit aufhörte. Klee schreibt dazu:

 „Es gab einen Arzt, Dr. Fritz Kühnke, der selbst zahlreiche Kinder tötete. Dann bekam seine Frau selbst ein behindertes Kind. Kühnke ließ es nicht töten, er hörte vielmehr mit dem Töten auf.“

Alles in allem ist es ein sehr gelungenes Buch mit sehr gelungenem Nachwort, es könnte nicht nur Lesern gefallen, die sich für die NS-Zeit interessieren, sondern auch Lesern, die sich sonst nicht mit diesem Thema beschäftigen.

Ich gebe diesem Buch, das auch mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis ausgezeichnet wurde, 5 Lesepunkte, da es mich sehr beeindruckt hat.

                         

 

 

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